Public Relation und Blogs - Edelman und Technorati
Dienstag, Oktober 17th, 2006Ich staune ja immer wieder. Große, internationale Unternehmen mit guter finanzieller Ausstattung tun sich oft schwer mit neuen Medien, wie beispielsweise dem Bloggen.Warum können sie die Zusammenhänge nicht verstehen, auf die es ankommt und warum machen sie so komische Road-Show-Veranstaltungen? Edle Männer (und Frauen:) die “PR-Profis” der Welt und Leute des größten Blogger-Tools, Technorati, setzen sich mit Bloggern zusammen, um denen die Blogsphäre zu erläutern. Darüber müsste sich jeder etablierte Blogger schon wundern und hat das auch, wie man in diesem ehrlichen Video sehen kann.
Verständliche Gründe der Kooperation, Technorati-Edelman
Der Clue des Bloggens ist es, dass Individuen in Blogs ihre ungefilterte Meinung der Öffentlichkeit kundtun. Daraus ergibt sich für viele Leser eine enorm hohe Glaubwürdigkeit und das macht Blogs für die Kommunikation vieler Unternehmen natürlich hochinteressant. Hierüber könnten Unternehmens-Botschaften glaubwürdig positioniert und Meinungen über Unternehmen frühzeitig erkannt werden.
Da sich Technorati mit dem Auswerten von Blog-Tags befasst und Edelman-PR mit Unternehmenskommunikation, könnte man meinen, dass die beiden das Thema leicht in den Griff bekommen.
Dabei muss man jedoch berücksichtigen, dass, da es sich hier um die freie Meinungsäußerung von “unkontrollierbaren” Individuen handelt, ein Blog nur mit äußerster Vorsicht genutzt werden sollte. Da der Umgang damit ansonsten mehr Schaden für das jeweilige Unternehmnen anrichten kann als Nutzen.
Blogger ist nicht gleich Blogger
Die Einen sind von Anfang an dabei oder haben das Blogging überhaupt erst erfunden. Das sind vermutlich die Intellektuell- und Fach-Blogger, davon gibt es inzwischen natürlich nicht mehr so viele, da der Boom, jedes Kraut aus dem Boden wachsen lässt und somit die Urkraft des Bloggens an den Rand drängt. Diese sind zumeist, nicht-kommerziell eingestellt. Wobei die fachlichen Blogger schon eher bereit sind, sich ihr Fachwissen vergüten zu lassen.
Dann gibt es viele neue, Poesie-Blogger, die ihren Blog eher als Hobby und Zeitvertreib sehen oder ihr anonymes Tagebuch in der Öffentlichkeit diskutiert sehen wollen. Das sind zwar auch wichtige Bestandteile der Szene, aber eher aus dem Grund der Distribution und Lesergewinnung für die gesammte Blogsphäre.
Zum Schluss nenne ich die Kommerziellen Blogger- oder besser, die Blogs mit einem kommerziellen Hintergrund. Dass diese als neuste Gruppe in diesem Bereich agiert, dürfte kaum einen wundern. Denn der Kommerz springt immer erst dann auf, wenn sich Trends abzeichnen - und zwar um diese möglichst ohne Risiko zu nutzen. Das ist ja auch die Aufgabe des Kommerz - Nutzen aus dem Vorhandenen zu ziehen und damit Mehrwert zu schaffen. Genauso wie im Marketing. Zuerst macht es eine kleine Gruppe (die Trendsetter), dann folgt die Masse. Dazwischen stecken die Unternehmen bzw. deren Agenturen. Die machen daraus einen Hype, bis es auch der letzte Depp noch braucht. Danach will es niemand mehr.
In diesem Blogger-Potpurie werden die Unterschiede der Szene deutllich und es wird klar, dass man sie nicht unter einen Hut bringen kann. Man darf sie aber genauso wenig ausser acht lassen. Denn dann passiert möglicherweise das, was Edelman passiert ist. Blogger legen einen sehr hohen Wert auf Authentizität, also eine ehrliche und selbstkritische Berichterstattung.
Genaue Erhebungen zu Blogs und Bloggern gibt es nicht und wer noch eine weitere Meinung haben möchte, schaut hier.
Um zu der Frage vom Anfang zurück zu kommen, was den Großen fehlt.
Vielleicht liegt es daran, dass richtig gute und trendige Menschen, sich nicht von großen Unternehmen einspannen lassen. Die gehen lieber selbstbewusst ihren eigenen Weg. Denen geht es nicht nur um das große Geld oder einen Shareholder-Value. Die wollen gute Sachen machen, ohne von Machtstrukturen oder Vorgaben eingezwängt zu werden. Ich persönlich fühle mich bei solchen Menschen meinstens besser aufgehoben und zudem, arbeiten diese oft effizienter und günstiger als große Unternehmen. Das sagen mir auch viele meiner Kunden.
Klar ist jedenfalls, daß das Thema mit PR und Blogs noch nicht abgeschlossen ist. Zum einen wird sich bei den Bloggern und bei der Technik noch viel tun, zum anderen werden auch die PR-Agenturen fleissig dazu lernen, auch wenn sie es noch nicht so recht wollen.




